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2.4.2
Rechenregeln
Schallpegel-Addition
Bei
der Einwirkung mehrerer Schallquellen ergibt sich eine Zunahme der
Schallimmission. Schallpegelwerte dürfen jedoch nicht einfach arithmetisch
addiert werden. Demzufolge ist der Summenpegel L der drei einwirkenden
Schallpegel.
L1 = 35 dB(A),
L2 = 40 dB(A), L3 = 45 dB(A)
keinesfalls 120 dB(A)!
Die drei Schallpegel
müssen vielmehr nach folgender Gleichung energetisch addiert
werden:

Dazu muss für jeden
Summanden Li zunächst der Ausdruck 100,1Li gebildet werden.
Auch der weitere Gang
der Rechnung ist mit einem Taschenrechner, der über die Funktionen
"10x" und "log" verfügt, leicht auszuführen:
L = 10 lg (103,5 +
104,0 + 104,5) dB(A)
L = 46,5 dB(A)
Die Pegeladdition lässt
sich auch unter Zuhilfenahme der Abbildung 2/7 jeweils paarweise für
zwei Schallpegelwerte ausführen, wobei man mit dem Additionslineal
unter der Differenz der zu addierenden Schallpegel den Wert herausliest,
um welchen der größere der beiden Schallpegel im Ergebnis zu erhöhen
ist.
Schallpegelunterschied
zwischen Lr,1 und Lr,2 in dB(A)

dB(A) zum größeren
Pegel addieren
Abb. 2/7: Addition von Pegeln
Addiert man im obigen
Beispiel lediglich die Summanden L2 und L3 erhält man:
40 dB(A) + 45 dB(A) = 46,2
dB(A)
Man kommt zur Schlussfolgerung,
dass der Summand L1 = 35 dB(A) den Summenpegel praktisch nicht mehr
beeinflusst und deshalb von vornherein hätte vernachlässigt werden
können. Auch aus dem Additionslineal der Abbildung 2/7 kann man die
folgende wichtige Regel ableiten:
Unterscheiden sich
zwei Schallpegel um mindestens 10 dB, leistet der jeweils niedrigere
Pegel zum Summenpegel praktisch keinen Beitrag mehr. Es gilt demnach
näherungsweise (mit und ohne Zusatz der A-Bewertung):
65 dB(A) + 54 dB(A)
= 65 dB(A)
43 dB(A) + 44 dB(A)
+ 58 dB(A) = 58 dB(A)
(denn 43 dB(A) + 44 dB(A)
kann höchstens 47 dB(A) ergeben, was 11 dB unter 58 dB(A) liegt.)
Die Addition zweier
gleicher Schallpegel führt zu einem um drei Dezibel höheren Summenpegel,
was aufgrund der Definitionen im Abschnitt 2.4.1 einer Verdoppelung
der Schalleistung entspricht. Somit gilt z.B.
55 dB(A) + 55 dB(A)
= 58 dB(A).
Im dB(A)-Rechner
ist die Pegeladdition online schnell durchzuführen.
Energetische Mittelwertbildung
Die Mittelwertbildung
verläuft analog zur energetischen Schallpegel-Addition, wobei jedoch
nach der Addition der Glieder 100,1L durch deren Anzahl zu dividieren
ist, und zwar vor dem Logarithmieren.

Der Mittelungspegel Lm ergibt
sich demnach im Beispiel:
L1 = 35 dB(A),
L2 = 40 dB(A), L3 = 45 dB(A) zu
Lm = 10 lg (1/3
(103,5
+ 104,0 + 104,5))
Lm = 42 dB(A) (aufgerundet)
Das Beispiel zeigt,
dass in einer Reihe unterschiedlicher Schallpegel der energetische
Mittelungspegel näher bei den höheren Werten liegt, als es bei einer
arithmetischen Mittelwertbildung der Fall wäre.
Da es oft um die Mittelung
zeitlich schwankender Geräusche geht, lässt sich die entsprechende
Rechenregel dieser Fragestellung dadurch anpassen, dass man statt
durch die Anzahl der Werte durch die Gesamt-Beobachtungszeit bzw.
Messzeit "T" dividiert und jedes der Additionsglieder 100,1L mit der
Einwirkzeit "ti" des Pegelwertes Li während
der Gesamt-Messzeit "T" multipliziert:

Der Rechengang soll
am Beispiel einer fiktiven Lärmmessung erläutert werden, welche
über eine Messzeit T = 16 Stunden in der Zeit von 06.00 Uhr
bis 22.00 Uhr stattgefunden hat. Für die einzelnen Stunden
ergaben sich dabei die folgenden energetischen Mittelwerte:
06.00 bis 08.00 Uhr
: 60 dB(A) t1 = 2 h
08.00 bis 10.00 Uhr
: 45 dB(A) t2 = 2 h
10.00 bis 18.00 Uhr
: 35 dB(A) t3 = 8 h
18.00 bis 20.00 Uhr
: 45 dB(A) t4 = 2 h
20.00 bis 22.00 Uhr
: 55 dB(A) t5 = 2 h
Welcher Mittelungspegel ergibt sich
für die gesamte Tagzeit 06.00 bis 22.00 Uhr (T = 16 h) ?
Lm = 52 dB(A) (abgerundet)
Auch dieses Ergebnis
belegt, dass es die hohen Pegelwerte sind (hier die sechs lautesten
Stunden), die das Ergebnis des Mittelungspegels am meisten
beeinflussen.
Wie aus den Regeln
der energetischen Pegeladdition und Mittelung leicht abzuleiten
ist, gilt im übrigen:
- Eine Halbierung (Verdoppelung)
der Einwirkungszeit eines Geräusches vermindert (erhöht) seinen
Mittelungspegel um 3 dB.
- Eine Halbierung (Verdoppelung)
der Schalleistung eines Geräusches vermindert (erhöht) seinen Mittelungspegel
gleichfalls um 3 dB.
Pegelabnahme bei
Schallausbreitung
Mit zunehmendem Abstand
von einer Schallquelle nimmt der Schalldruckpegel ab. Die theoretische
Beschreibung der Pegelabnahme geht bei einer als punktförmig angenommenen
Schallquelle davon aus, dass sich die in alle Richtungen des Raumes
abgestrahlten Schallwellen in der Form einer Kugelwelle ausbreiten.
Damit verteilt sich die von der Schallquelle ausgehende Schalleistung
mit zunehmendem Abstand auf eine immer größer werdende Kugeloberfläche.
Aus dieser Überlegung ergibt sich für die Pegelabnahme ∆L bei
Vergrößerung
des Abstandes von r1 auf r2 die Beziehung
∆L = 20 lg
(r2/r1)
Im Falle einer Punkt-Schallquelle (Abbildung
2/8
)
nimmt deshalb der Schallpegel bei verlustloser Schallausbreitung
bei jeder Abstandsverdoppelung um 6 dB ab.
Bei Linien-Schallquellen
(Abbildung 2/9),
die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie im Vergleich zum jeweils
betrachteten Abstand eine große Längenausdehnung haben und dabei
gerade verlaufen, erfolgt die Schallabstrahlung in der Form einer
zylinderförmigen Welle. In diesem Fall wird die Pegelminderung ∆L
bei Vergrößerung des Abstandes von r1 auf r2
durch den Ausdruck
beschrieben. Dies besagt,
dass bei einer linienförmigen Schallquelle (z.B. Straßen,
Eisenbahnlinien, lange Rohrleitungen)
bei verlustloser Ausbreitung der Schallpegel nur um 3 dB je
Abstands- verdoppelung
abnimmt.
In der Realität jedoch
ergeben sich von diesen theoretischen Werten abweichende Pegelminderungen
bei der Schallausbreitung, weil sowohl die schallabsorbierende Wirkung
des Erdoberfläche als auch Wettereinflüsse (Wind und Lufttemperatur)
zu berücksichtigen sind.
Zudem können viele
Schallquellen bzgl. ihrer Schallabstrahlung nicht den Idealfällen
einer Kugel- oder Zylinderwelle zugeordnet werden, weil sie eine
gewisse Richtwirkung aufweisen. Der Einfluss der Erdoberfläche auf
die Schallausbreitung ergibt sich aus den unterschiedlichen Formen
von Bewuchs und Bebauung sowie durch schallabschirmende und schallreflektierende
Strukturen auf dem Ausbreitungsweg der Schallwellen.
Der sehr komplexe Vorgang
der "Schallausbreitung im Freien" ist Gegenstand der DIN
ISO 9613-2, während sich die VDI-RICHTLINIE 2720-1 mit dem speziellen
Gesichtspunkt "Schallschutz durch Abschirmung im Freien"
befasst. Denn wie bei Lichtwellen (jedoch wegen Schallbeugung nur
weniger wirksam) lässt sich auch gegenüber Schallwellen durch Abschirmung
mit schallundurchlässigen (schalldämmend konstruierten) Hindernissen
ein gewisser Schallschatten erreichen.
Auf dieser Grundlage
behandeln die Berechnungsvorschriften von DIN 18005-1 und RLS-90 (u.a)
sowohl die Pegelminderung durch Abstand als auch die sich zusätzlich
durch abschirmende Hindernisse ergebende Schallpegelminderung. Der
Komplex der Schallausbreitung ist somit der bestimmende Faktor für
die Dimensionierung von Lärmschutzwällen oder -wänden.
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