1. Einleitung
 

 

 

Lärm ist heute ein Hauptfaktor der zivilisationsbedingten Umweltgefährdung. So stellte der Sachverständigenrat für Umweltfragen fest, dass der Lärm nach den bisherigen Erkenntnissen als ein Risikofaktor anzusehen ist, der im Zusammenhang mit anderen Belastungsgrößen gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen kann. Auswirkungen von Lärm sind u.a. Schlafstörungen, Kopf- schmerzen, Unlustgefühl, Aggressionen sowie die Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.
 
Der Dirigent Herbert von Karajan nannte den Lärm einmal "den hörbaren Müll unserer Zivilisation".

In seiner Umgebungslärm-Richtlinie (2002) fordert die EU die Länder auf, für alle Ballungsgebiete Lärmkarten zu erstellen, und Aktionspläne auszuarbeiten. Bis Juli 2004 sollte die Umgebungslärm-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt sein. Die Umsetzung erfolgte am 24. Juni 2005.

Die Abbildung 1/1 zeigt die Lärmbelästigung der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2000.

Rund 50% der Bevölkerung fühlen sich demnach häufig oder andauernd durch Lärm belästigt. An erster Stelle der Belästigung wird der Straßen- und Flugverkehr genannt. Aber auch Lärm von Nachbarn sowie Arbeitslärm spielen eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahren haben Lärmbelästigungen durch Freizeitbetätigungen (z.B. Sport und "Events") ebenfalls stark zugenommen, so dass eine eigene "Sportanlagenlärmschutzverordnung" zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) verabschiedet wurde .

Besonders betroffen durch Verkehrslärm sind die Bewohner zentrumsnaher Stadtbezirke. Mehr als ein Drittel von ihnen muss die Fenster oft oder immer geschlossen halten bzw. verzichtet auf die Benutzung von Balkon und Terrasse. Solche Einschränkungen sind als wesentliche Beeinträchtigung der Wohnqualität anzusehen.

Basierend auf Daten der VERKEHRSLÄRMKARTIERUNG STUTTGART (1983) wurde unter Heranziehung von Volkszählungsdaten vom Statistischen Amt der Landeshauptstadt Stuttgart die Betroffenheit der Bevölkerung durch Verkehrslärm näher untersucht (STATISTISCHER INFORMATIONSDIENST, 1990). Dabei wurden die Daten von Blockseiten den gemessenen Lärmpegeln am Straßenrand zugeordnet (ohne Abstandskorrekturen).

Die in Abbildung 1/2 dargestellten Ergebnisse zeigen, dass 5,8% der 590 774 Stuttgarter Bürger (Stand: Juli 2005) an Straßen leben, die einem Schallpegel von 75 dB(A) und mehr ausgesetzt sind. 13,2% der Einwohner leben an Straßen mit Lärmwerten von 70 bis 75 dB(A). Damit wohnen ca. 19% der Bürger an außerordentlich lärmbelasteten Straßen.

Weitere 22,6% der Stuttgarter leben an Straßen in der Lärmklasse 65 bis 70 dB(A). Dies besagt, dass rund 42% der Einwohner in einem Wohnumfeld leben, das den Anforderungen der TA Lärm an ein gewerblichindustriell genutztes Gebiet entspricht.

Einzelne Bevölkerungsgruppen sind, wie man in der Abbildung 1/2 sieht, unterschiedlich stark lärmbelastet. Den höchsten Lärmbelastungen, so ergab diese Untersuchung, sind Ausländer und Arbeiter ausgesetzt.

Durch Lärmbelastungen entstehen zudem vielfältige, teilweise schwer abzuschätzende Kosten. Dabei sind insbesondere folgende Kostenfaktoren zu berücksichtigen:

  • Minderung des Wohnwertes

  • Abhilfemaßnahmen gegen Lärm

  • Produktivitätsverluste

  • Gesundheitsschäden

  • Belästigungen

Für die Minderung des Wohnwertes durch Straßenverkehrslärm liegen jedoch gut fundierte Kostenabschätzungen vor (UPI, 1991, a): So wurden für das Bezugsjahr 1989 die entsprechenden Wertminderungen durch Straßenverkehrslärm mit ca. 42,5 Mrd. DM pro Jahr angegeben, zuzüglich ca. 2 Mrd. DM an Arznei- und Umzugskosten. Für andere Lärmquellen werden angegeben (UPI, 1991, b):

Fluglärm 35,4 Mrd. DM pro Jahr
Schienenverkehrslärm 8,6 Mrd. DM pro Jahr
Industrielärm 8,3 Mrd. DM pro Jahr
Sportplatzlärm 4,9 Mrd. DM pro Jahr

Diese enormen volkswirtschaftlichen Kosten von ca. 100 Mrd. DM (ca. 51 Mrd. Euro) pro Jahr durch Lärmbelastungen verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, schon bei der Planung auf Lärmvermeidung und Lärmminderung zu achten.

 

Abb. 1/1: Lärmbelästigung der Be-
völkerung in der Bundesrepublik
Deutschland, getrennt nach einzelnen
Lärmquellengruppen,
Quelle: UBA (2002)
 
  Abb. 1/2: Betroffenheit der Stuttgarter
Einwohner durch Verkehrslärm
 
   
 
 
 
 

 

           
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Städtebauliche Lärmfibel Online, Stand: 07.10.2008
© Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz Stuttgart